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Unendlich sanft in seinen Händen

Impuls zur KW 45/2025

Der Herbst zeigt sein buntes Blätterkleid. In der goldenen Oktober-Sonne wird noch einmal die Pracht sichtbar, die sich in der Dunkelheit und im Herbstregen versteckt. Vor dem Pfarramt sehe ich ein kleines Ginkgo Bäumchen. Es hält sich wacker, nur einzelne Blätter sind abgefallen, wie dieses nebenan. Ich habe gelesen, dass der Ginkgo Baum anspruchslos und besonders resistent gegen Schädlingsbefall ist. Vielleicht fallen deshalb die Blätter noch nicht so ab. Im Frankfurter Stadtteil Rödelheim steht noch ein Ginkgo Baum, der bereits im Jahr 1750 gepflanzt wurde. Der Ginkgo Baum gilt als Mahnmal für Umweltschutz und Frieden, er wurde zum Baum des Jahrtausends erklärt, da er ein „lebendes Fossil“ ist. Johann W. von Goethe hat in Weimar einen Ginkgo Baum gepflanzt und in einem Gedicht über das zweigeteilte Blatt sinniert. Es ist für ihn ein Sinnbild der Freundschaft: zweigeteilt und doch eins. Extrakte aus den Ginkgo Blättern werden in der Medizin verabreicht gegen Schwindel, Demenz und Gedächtnisstörungen. 
Der Monat November mit den fallenden Blättern erinnert uns an unsere Vergänglichkeit. Rainer Maria Rilke hat im Gedicht vom Fallen gesprochen, aber auch vom Gehalten sein in den Händen Gottes. Das gilt für die ganze Schöpfung und für uns Menschen. Er schreibt: „Die Blätter fallen, fallen wie von weit … sie fallen mit verneinender Gebärde… Und doch ist einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Pius Angstenberger, Pfarrer
 

Donnerstag, 6. November 2025   |   Ein Beitrag von Pastoralteam